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Der Hund - eine Beschreibung von 1879
Wie kein anderes Tier ist der Hund der Gefährte des Menschen. Er folgt im in in die öden Steppen des heißen Südens, wie in die Schneefelder des kalten Nordens, in die fruchtbaren und unfruchtbaren Ebene, wie auf die kahlen Spitzen hoher Berge. Überall, wo sich Menschen finden, hält auch der Hund sich auf. Aus einem starken gefährlichen Raubtier ist er zu einem Gehilfen geworden, dessen Gelehrigkeit, Anhänglichkeit, Treue und Dankbarkeit ihn zum Bewachen der Herden und Häuser, zur Gesellschaft, zur Jagd, zum Tragen von Lasten, zum Ziehen von Wagen und Schlitten wie zu vielen anderen Diensten geschickt macht. Welche Lust ist's, einen klugen Hund zu beobachten! Wie wendet er Augen und Ohren, wenn er den Befehl seines Herren erwartet! Wie glänzen seine Augen vor Freude, und wie wedelt er wohlgefällig mit dem Schwanze, wenn er ihm folgen darf! Wie jämmerlich aber ist sein Gesicht, wenn er zu Hause bleiben muß! Betrachtet ihn, wenn er vorausgelaufen und an einem Scheideweg gekommen ist, wie er sich fragend umsieht, um zu erfahren, ob er links oder rechts gehen soll. Wie entzückt ist er, wenn er einen klugen, wie beschämt dagegen wenn er einen dummen Streich gemacht hat! Habt ihr es schon gesehen, wie er nach angestifteten Unheil mit eingezogenem Schwanz hinwegschleicht? Habt ihr endlich nicht schon rührende Geschichten von seiner Treue gehört, wie er meilenweit seinem Herren nachläuft, ihm beisteht in jeglicher Gefahr und ihn selbst im Tode nicht verlässt? Wie oft ist schon ein treuer, kluger Hund der Lebensretter eines Menschen geworden! Wie viele Beispiele hat man, daß der Hund oft nach jahrelangem Zwischenraum den Mörder seines Herrn entdeckt und dessen Tod fürchterlich gerächt hat! Der Sinn des Gesichts ist bei den meisten Hunden schwach; Geruch und Gehör dagegen sind sehr scharf. Die jungen Hunde werden blind geboren und öffnen erst nach zehn oder zwölf Tagen die Augen. Ihre Mutter liebt sie außerordentlich und verteitigt sie mit rasender Wut. Mit dem vierten Monat wechselt der Hund die Zähne und ist gewöhnlich mit einem Jahr ausgewachsen. Obgleich er wohl zwanzig Jahre alt werden kann, so ist er doch nur bis zum zwölften Jahre brauchbar. Er genießt alle Speisen, die den Menschen zur Nahrung dienen. Viel Fleisch taugt ihm nicht. An frischem Wasser zum Trinken darf es ihm nicht fehlen. Auch frische Luft und Sonne, wie überhaupt der Aufenthalt im Freien, ist ihm zuträglich. Selbst bei der großen Hitze schwitzt er nicht, sondern läßt nur, wenn es ihm heiß ist, die Zunge aus dem Halse hängen. Von den vielen Krankheiten, welche ihm befallen, ist die Tollwut die gefährlichste.
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